Geschichte der Markomannia

Die „p.c.B! Markomannia“ (pennal-conservative Burschenschaft) wurde am 4. Oktober 1894 von 6 Mittelschülern des damaligen k.& k. Staatsgymnasiums im Gasthaus „Zum Krug im grünen Kranze“ in Göß gegründet und besteht nunmehr über 115 Jahre. Die „Markomannia“ war von allem Anfang an eine pennal-konservative Burschenschaft auf national-freiheitlichem Prinzip mit den Farben grün-weiß-gold und der bis heute unveränderten weichen weißen Mütze. Sie einigte sich auf den Wahlspruch „Einig und frei, deutsch und treu!“ und ihr Bundeslied ist „Wenn alle untreu werden“.

Wappen der p.c.B! Markomannia
Bereits 1899 wurde das erste Kartell mit der p.c.B! Arminia zu Graz abgeschlossen, die ihrerseits 1904 ein Kartell mit der p.c.B! Allemannia zu Marburg einging.

Der 1. Weltkrieg 1914-1918 benötigte eine gelegentliche Unterbrechung des Aktivlebens, da fast alle Aktiven zu den Waffen eilten. Die Weiterführung der Burschenschaft in diesem Zeitraum ist allein den verstorbenen Ehrenburschen Pfatschbacher und Wusser zu verdanken. 

1923 wurde von damals 150 pennalen Burschenschaften der Dachverband der „Pennalen Burschenschaft der Ostmark“ gegründet, dem als Gründer auch unsere B! angehörte. Diese p.B.d.O. – wie sie kurz genannt wurde – war ein glänzend funktionierender Dachverband, seine Burschentage die großen Treffpunkte der Pennal-Burschenschafter Österreichs. Im Jahre 1923 ging die „Markomannia“ das Kartellverhältnis auch mit der ehemaligen Marburger Burschenschaft „Allemannia“ ein, die inzwischen nach Verlust ihrer untersteirischen Heimat nach Graz verlegt hatte. Es entstand das „grün-weiß-rote Kartell“, das in der Folgezeit weit über die Grenzen der Steiermark Bedeutung gewann.

Auf Leobner Boden war die „Markomannia“ seit ihrer Gründung führend geworden, ihre Mitglieder bekannten sich zu national-völkischen Prinzipien, und es gab ständig Auseinandersetzungen mit den zumeist klerikalen Professoren und auch mit den anderen Pennalbünden an der Mittelschule. Mit der 1881 gegründeten p.c.B! „Gothia“ bestand seit eh ein örtlicher Delegiertenkonvent, der zumeist aber der Gegenüberstellung für die laufenden Hatzen zwischen den beiden Burschenschaften diente. Daneben bestand seit Ende des 1. Weltkrieges das pennale Corps „Saxonia“, das aber nur wenig in Erscheinung trat. Seit 1919 gab es dann auch schon die katholische Mittelschulverbindung „Lützow“. Etwa bis zu Beginn des ersten Weltkrieges hatte an der Leobner Mittelschule auch eine Burschenschaft „Ostmark“ bestanden, von der einzelne Mitglieder später zur „Markomannia“ kamen.


In der Folge entwickelte sich nun die „Markomannia“ in ganz besonderem Maße, hatte stets einen befriedigenden Aktivstand und spielte an der Schule eindeutig die erste Rolle. Ihre Veranstaltungen fanden in der Öffentlichkeit starke Beachtung, die Mitglieder, besonders aber die Aktiven, waren hervorragend im „Deutschen Schulverein“ und im „Deutschen Turnverein“ tätig. Besonders das Mensurwesen war stark entwickelt und 25-30 Mensuren für die guten Klingen der „Markomannia“ waren in dieser Zeit keine Seltenheit. Im obersteirischen Raum gab es 6 pennale Burschenschaften, die sich im Jahre 1928 unter der Führung der „Markomannia“ zum ersten Obersteirischen Delegiertenkonvent (ODC) zusammenschlossen. Es waren dies, neben den beiden Leobner Burschenschaften „Markomannia“ und „Gothia“, die „Landskron“ – Bruck/Mur, „Walhalla“ – Kapfenberg, „Germania“ – Mürzzuschlag und „Arminia“ – Knittelfeld. Zwischen den Jahren 1929 und 1934 stand die „Markomannia“ eindeutig in der Hochblüte ihrer Geschichte und war in ganz Österreich bekannt und besonders geachtet. 

Als im Jahre 1938 nach dem Anschluss Österreichs an Stelle der studentischen Korporationen der NS-Studentenbund kam, erfolgte am 5. Mai 1938 die Selbstauflösung der „Markomannia“, von der damals keiner der Anwesenden ahnen konnte, dass diese Auflösung nur eine zeitweilige sein sollte. Bald hernach brach der 2. Weltkrieg aus, ab und zu trafen sich einige Markomannen, die gerade von der Front auf Urlaub waren, und gedachten der alten, schönen Zeiten (50. Stiftungsfest Oktober 1944 „Im Krug zum grünen Kranze“ in Göß). 

Zu Beginn 1949 entschlossen sich die Alten Herren EB Pfatschbacher und Makotter d.Ä., die in Leoben und Umgebung lebenden Markomannen, die zum Großteil wieder in ihren früheren Berufen tätig waren, zu einer Zusammenkunft einzuladen. Anlässlich der 100-Jahrfeier der Montanistischen Hochschule im April 1949 fand nun dieses erste Treffen nach fast 15 Jahren statt, es waren 34 Markomannen gekommen, die sofort beschlossen, wieder zusammen zu bleiben und eines Tages den alten Bund wieder ins Leben zu rufen. 

In den Jahren 1949-1953 wurde mit Konsequenz daran gearbeitet, mit Hilfe der Bundesbrüder von nah und fern den Bund wieder aufzurichten, und das 59. Stiftungsfest im Oktober 1953 wurde – zwar noch ohne Aktive – aber doch schon wieder in den alten Farben als behördlich genehmigter Verein „AHV-Markomannia zu Leoben“ begangen. Beim 60. Stiftungsfest im Oktober 1954 hatten wir bereits wieder 3 Aktive vom Gymnasium Leoben und im März 1955 wurde die erste Mensur seit 20 Jahren gegen die Grazer pen. B! „Stiria“ geschlagen. In diesem Jahre erwarb die „Markomannia“ dank des Einsatzes ihrer Alten Herren 2 Räume im Gasthof Stein in Leoben-Judendorf und später im Gasthof Altmann, wo sich nun ein reges und bedeutendes Couleurleben entwickelte. In diesen Jahren hat es stellenweise bis zu 22 Aktive gegeben, und vor allem war auch der alte Paukbetrieb in einem Ausmaße wieder aufgenommen worden, der an die besten Zeiten von einst erinnerte.



Nicht im gleichem Maße zogen in diesen Bestrebungen unsere beiden Kartellburschenschaften mit, die sich mehr der Erhaltung alter Traditionen in Form ihres AHV widmeten. So kam es dann 1958 zur Kündigung des Kartellverhältnisses durch die „Markomannia“ und erst 1964 wurde nach harten Auseinandersetzungen in den Konventen der „Markomannia“ die Reaktivierung der Kartellbeziehungen wieder vorgenommen. In der Zwischenzeit hatte sich auch in den Dachverbänden eine andere Konstellation ergeben. An Stelle der pen. Burschenschaft der Ostmark war der BDC, der Bundes-Delegiertenkonvent der pennal- und fachstudentischen Korporationen Österreichs getreten, ohne jemals die Wirkung der alten p.B.d.O. zu erreichen.

In der Steiermark wurde der StLDC, der „steirische Landesdelegiertenkonvent“ gegründet, der nach anfänglichen schönen Erfolgen immer mehr und mehr niederging. Wieder trat die „Markomannia“ in Aktion und rief 1957 den alten ODC ins Leben, von den alten Verbänden waren nur mehr „Markomannia“ – Leoben und „Landskron“ – Bruck/Mur übrig geblieben und hinzu kamen die pennalen Corps „Austria“ – Knittelfeld und „Styria“ – Judenburg, sowie die Verbindungen „Normannia“ – Bad Aussee und später „Agraria“.

Ungeachtet dieser neuen Entwicklungen blieb die „Markomannia“ im Sinne ihrer Gründer und ihrer Satzungen als Erziehungsstätte junger Mittel- und Fachschüler weiterhin erfolgreich tätig. Das große 75. Stiftungsfest 1969 stand erstmals jedoch wieder seit langer Zeit im Zeichen ernster Nachwuchssorge. Aufgrund großer Einsatzbereitschaft vieler Bundesbrüder konnten aber die schwierigen Zeiten in den 1970er und Anfang der 1980er Jahre überwunden werden, als die „Markomannia“ nur wenige Aktive zählte. Im Jahre 1976 konnte eine großzügige Kneipe in der Erzherzog-Johann-Straße 7 kostengünstig angemietet werden, welche uns bis zum heutigen Tage den Grundstein für weitere zahlreiche Aktivgenerationen gelegt hat.



Den Dachverband der „Markomannia“ bildet als Nachfolger des BDC nunmehr der ÖPR (Österreichischer Pennäler-Ring), der jährlich zu Pfingsten seine Burschentage als couleurstudentische Großveranstaltungen abhält. Zuletzt trat die „Markomannia“ als Veranstalter 1994 auf, als sie mit über 300 Gästen ihr 100. Stiftungsfest feierte.